Das Abschalten der Zeit

Wegen mittlerweile überbordender Sinnfreiheit habe ich nun meinen Termin-Kalender von seinen ziemlich vielen Einträgen befreit. Er ist nun so weiß wie Schnee, auf welchem ein dünnes Liniennetz liegt.

29.8. nichts
30.8. nichts
31.8. nichts
und so weiter.

So lange man Pläne und Termine hat, kommt man ohne so eine Hilfe gar nicht aus. Auch wenn man die meisten Dinge auf der chronologischen Todo-Liste ohnedies nicht einhalten kann. Nach einem Arbeitsplan zu arbeiten, geht immer in die Hose. Bei mir schon seit vielen Jahren. Jede vorausgeplante Stundeneinheit, die nicht eingehalten werden kann, führt zu Frust und Ärger, ist also nicht hilfreich, sondern zutiefst kontraproduktiv. Dennoch konnte ich mich nie von meinem Arbeits-Zeitplan trennen. Mindestens 100 Mal hab ich alle Einträge per Delete entfernt. Nur um dann am nächsten Tag wieder mühsam alles neu hineinzusortieren.
Es war mir einfach unmöglich, keine Anhaltspunkte zu haben.

Jetzt schon.

Seit heute schon.

Jetzt finde ich es regelrecht lächerlich und peinlich, sich freiwillig der Zeit zu unterwerfen. So lange man ein sozial und wirtschafltich gelenktes Leben führt, kommt man an Terminplanung nicht vorbei. Ist beides aber beendet, verschwimmen die streng und strickt getrennten Stunden, Tage und Wochen.
Es ist mit einem Mal schnurz, ob heute Montag ist oder Mittwoch. Und noch schnurzer ist, was die Uhr zeigt. Sie zeigt ja ohnehin dauernd was anderes. Wozu im Augenblick wissen, wie spät es ist, wenn das schon im nächsten Moment nicht mehr stimmt.

Ich glaube, es reicht völlig, wenn man sich nach der Sonne richtet. Die sagt einem, wann man schlafen sollte, weil die Natur kein künstliches Licht vorsieht, und sie sagt auch, wann man sein Tagewerk bestreiten soll.
Braucht man denn mehr Anhaltspunkte?

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