Grounding ist das neue barfuss

Jedes Mittel ist recht, wenn es um den globalen Bewusstseinssprung geht.
Denn im Krieg, in der Liebe und auf dem Weg zur Erleuchtung ist alles erlaubt. Also werde ich gewiss nicht lautstark protestieren, wenn man billige Marketing-Tricks anwenden muss, um die Menschheit ein bisschen in Richtung globale Glückseligkeit zu schubsen. Die Neubenamung und Vercoolnessung altbekannten Zeugs ist zum Beispiel so ein Trick.

Ich staunte nämlich nicht schlecht, als ich da, ohne Schuhwerk natürlich, eines Tages über einen Trend stolperte, der wie immer, wenns wo was Neues gibt, komplett an mir vorübergegangen ist. Und das, obwohl ich nicht nur beruflich, sondern auch privat voll in die Thematik integriert bin. Also Esoterik, Persönlichkeitsbildung, Erleuchtung ohne Glühbirne. Teslaesk. Aber sobald eine Sache zum Trend wird, scheint sie mir großräumig auszuweichen. Wahrscheinlich wissen diese Sachen einfach, dass mich abrupte Herden- und Jüngerbildung ein klein wenig abschreckt. Darum hinke ich jeder Mode monatelang hinterher. Ich könnte niemals trittbrettfahren, weil der Zug immer schon längst abgefahren ist.

Grounding und Earthing

Grounding? Klingt irgendwie bekannt, aber Earthing? Nie gehört.

Ein Film war es, der mir über drei Youtubesche Empfehlungsecken angepriesen wurde, und in den 10 Minuten, die ich davon sah, ging es darum, dass da ein Mann in Kanada, nachdem er sich nackicht im Schnee gewälzt hat, sich, sein ganzes Dorf und wohl dann auch die ganze Welt geheilt hat. Aber wahrscheinlich kennst du diesen Film ja sowieso. Schließlich bist du nicht ganz zufällig auf dieser Seite.

Earthing ist in seiner hardcore-Variante also quasi: Sich nackt auf die Erde legen, um die Erdenergie in sich aufzusaugen und darob zu genesen. Ganzheitlich, versteht sich.

Durchaus auch dann, wenn man nicht gerade auf Urlaub ist, man sich also nicht in einem anderen Land befindet und diese Erde in Wahrheit heißer Sandstrand ist und die unmittelbare Location ein FKK-Gelände.

Weil das aber nicht immer so leicht möglich ist, zumal im Winter,
kann man sich mit speziellen Gerätschaften aber auch einfach den Erd-Strom vom Garten hinein in die Matratze leiten lassen.

Eine etwas einfachere und irgendwie natürlichere und weniger snobistische Möglichkeit, sich zu erden, ist barfuss zu gehen. Ist auch Grounding. Ist auch Earthing. Die wenigsten Menschen wissen, dass die menschliche Fußsohle nicht das mit dem Gummi oder der Baumwolle ist.

Auf Youtube findet man mittlerweile gefühlte 5 Millionen Videos von Mitmenschen, die man unter den Alternativlosen wohl als Alternative bezeichnen würde, und in denen diese hochspirituelle Praktik angepriesen und vorgeführt wird, als wäre das die atemberaubenste Errungenschaft, die jemals ein Hominide ersonnen. Eine Idee wie ein Feuerwerk. Also dass da niemand vorher draufgekommen ist! Barfuß, Alter, total krass!

Sensation Fuss

Doch ich will ganz gewiss nicht murren. Barfuß durch die Welt zu gehen, ist selbstverständlich eine sinnvolle, schöne und in vielerlei Hinsicht bereichernde Angewohnheit. Egal, wie man nun dazu kommt. Man weiß ja gar nicht, wo man anfangen soll, wenn es um das Aufzählen der Vorteile geht.

1. Achtsamkeit Ja, du wirst, achtsam und jeder Schritt wird mit wohlüberlegter Vorsicht gesetzt, denn nicht überall ist Beton.
2. Du veeinigst dich endlich wieder mit der Natur, denn nicht überall ist Beton.
3. Du wirst Gesund.
4. Deine Wahrnehmung wird gestärkt, deine Sinne verschärft.

Und und und. Hier nur ein paar Benefits, die ich mir aus einer einschlägigen Seite rauskopiert habe:

* Burn-Out
* Multiple Sklerose
* besseres Schlafen
* Lindert und beseitigt Entzündungen
* Lindert und beseitigt chronische Schmerzen
* Lindert akute Schmerzen
* Schutz vor Elektrosmog
* Hilft bei Kopfschmerzen
* beschleunigt die Wundheilung

Ja, natürlich gibt es sowas wie Kälte und Barfüssler sind auch viel Sohlenverletzungsanfälliger, aber bei Minus 20 Grad kann man ja ruhig Schuhe verwenden. Es wird keiner schimpfen.

Normalzustand barfuss

Wie immer, wenn sich ein Glaubenssatz so richtig tief hineingebohrt hat ins Herz der Gesellschaft, wird die Wahrheit einfach umgedreht.
In Schuhen und Socken herumzulaufen ist dann der Normalzustand, die Ur-Form menschlicher Fortbewegung. Barfuß zu sein außerhalb dafür ausdrücklich vorgesehener Jahreszeiten und Orte, ist hingegen exotisches Eigenbrötlertum.
Aber du kannst es wirklich bei jeder Geburt live überprüfen, dass es genau umgekehrt ist. Oder schau ins Tierreich. Nirgendwo Socken. Nirgendwo Schuhe.

Aber der menschliche Fuß wird mittlerweile beinahe genauso ungern in der Öffentlichkeit gesehen wie der männliche Schwanz. Was sieht man lieber: Die Socke, den Schuh, die Unterhose. Wie es sich gehört.

Das Problem vieler Menschen, vornehmlich Frauen: Füße sind angeblich hässlich

Jeder liebt Baby-Füße. So süß, so entzückend, so natürlich. Aber jene von Erwachsenen rufen regelrecht Abscheu hervor. Bis auf ausgewiesene Fußfetischisten hat kaum jemand ein Wort des Lobes, des Dankes und der Bewunderung übrig.
Lies mal bei Barfuß-Artikeln in Online-Medien die Kommentare. Ja, bei diesen Pedophoben hilft wahrscheinlich auch das barfuß gehen nicht mehr. Manche Züge sind eben einfach abgefahren.

Schlussplädoyer pro barfuss

Liebe Mitmenschin, lieber Mitmensch! Es gibt keinen einzigen vernünftigen oder nachvollziehbaren Grund, nicht bei jeder sich anbietenden Wetterlage ohne Schuh und Strümpf zu gehen.

Warum tun es die meisten trotzdem nicht? Aus Angst natürlich. Aus dieser grotesken Angst des Andersseins. So lange keine allgemeingültige Regel oder gar ein Gesetz dies ausdrücklich befiehlt oder so lange nicht mindestens 5 hochdekorierte Vips das vorleben, wird sich daran auch nichts ändern. „Außerdem werden ja die Füße dreckig und man bekommt eine Hornhaut. Da sind mir dann verkrüppelte Füsschen vom in den High-Heels herumstacksen doch lieber.“

Bloßfüßigkeit ist in mehrerlei Hinsicht ein bisschen Freiheit. Und jeder Schritt, der ohne künstliche Gehbehinderung gegangen wird, ist ein Schritt in Richtung erhöhte Lebensqualität.
Probier es einfach mal aus, wenn du es nicht schon längst praktizierst.

Und jetzt ganz ehrlich: gibt es irgendeinen Menschen auf der Welt, der Babyfüße nicht entzückend und zum wegschmelzen findet. Man möchte reinbeißen vor Wonne.
Interessanterweise möchte man dann später in erwachsene Plattfüße nicht mehr so gerne reinbeißen. Verstehe das wer will.

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