Ich habe keine andere Wahl?

Mir ist das früher nie so aufgefallen, aber jetzt, da es in meinem Leben sehr oft um ganz entscheidende Entscheidungen geht, solche also, die man für gewöhnlich gar nicht erst an sich heran lässt, kommt mir oft der Satzteil „Ich habe ja keine andere Wahl“ unter.

Er wird von Menschen gesagt, mit denen man über so Dinge wie Erwachen und Erleuchtung spricht. Über Selbstreflektion und Veränderung.
Es sind Menschen, die ausschließlich innerhalb des Systems denken und leben. Mehr oder weniger. Wenn man nun mit ihnen diskutiert und sie mit einleuchtenden Gründen für einen Sturz des Systems und vielleicht sogar mit der Einrichtung eines Paradieses auf Erden konfrontiert, haben sie ein Problem. Sie können nicht gut sagen, dass sie die vorherrschenden, ganz offensichtlichen Mißstände und Fehlentwicklungen gut heißen. Sie können nicht sagen: „Doch, die Welt ist, genau so wie sie ist, gut.“ Plus Begründung. Oder: „Dochdoch, so wie der Mensch sein Leben verlebt, so muss es sein“. Oder: „Ich bin einfach ein glücklicher Mensch!“. Wäre alles offensichtlich gelogen. Also müssen sie zustimmen.

Da sie aber natürlich wissen, dass der logische Schluss aus dieser Einsicht sein müsste, etwas am eigenen Leben und an den eigenen Glaubenssätzen zu ändern, sind sie gezwungen, schnell eine Rechtfertigung dafür nachzuschießen.

Sie sagen also: „Ich weiß, dass alles falsch und eine große Lüge ist, aber ich hab ja keine andere Wahl, weil…“

Ich sage: Doch, du hast immer die Wahl. Wenn du die nämlich nicht hättest, wärest du ja nichts weiter als eines jener Lebewesen, die angeblich viel weiter unter dir sind in der angeblichen Hierarchie der Lebewesen. Eines von denen, die auf deinem Teller landen zum Beispiel.
Wer das „nicht haben der Wahl“ als Rechtfertigung und Ausrede für ein Scheiss-Leben angibt, sagt also die Unwahrheit.

Es ist einfach nur Angst.
Feigheit vor der Freiheit und den Konsequenzen, die man dafür in Kauf nehmen muss. Denn natürlich muss man auch etwas dafür tun und sicher auch opfern.

Meistens werden ja „die Kinder“ vorgeschoben. Die Kinder sind immer das beste Totschlagargument, wenn es um Veränderung und Courage geht.

„Aber ich habe doch Kinder, für die ich verantwortlich bin! Ich will doch, dass es ihnen gut geht!“

Ja, EBEN, möchte man ihnen dann am liebsten ins Ohr brüllen, das ist doch das beste Argument FÜR das Kämpfen für eine bessere Zukunft und nicht dagegen.

Und dann fällt ihnen nichts mehr ein und sie müssen ganz dringend irgendwo hin. Wahrscheinlich die Kinder von der Schule holen oder vom Fernseher.

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