Vom Zwang zur Selbstverständlichkeit – Ängste bewusst überwinden

All diese unzähligen Dinge, die man sich im Laufe seines Lebens eintrichtern hat lassen und die allesamt dafür sorgen, dass ein erfülltes, glückliches Leben in Frieden und Freiheit nicht in Frage kommt und schon gar nicht in die Tüte, haben eines gemeinsam: Sie werden durch das Unterbewusstsein gesteuert. Die unzähligen Ängste vor allem.

Nehmen wir einmal ein ganz einfaches und plakatives Beispiel her. Du hast da irgendeine Angst in dir, die in bestimmten Situationen, eine vollautomatisierte Reaktion in dir auslöst. Und diese wiederum bestimmt dein Handeln. Selbst wenn du es im Augenblick des Reagierens und Handels merkst, kannst du meistens nichts mehr dagegen tun. Denkst dir vielleicht höchstens: Naja, beim nächsten mal dann.

Sagen wir, du hast, wie fast alle Menchen, die einen mehr, die anderen weniger, eine Höllenangst vor deinen Mitmenschen. Also: Was denken die anderen, was sagen die anderen, wenn ich mich so oder so verhalte. Du hast beispielsweise einen kotzgrünen Hut, den du über alles liebst und in dem du am liebsten den ganzen Tag lang herumrennen würdest. Du tust es aber nicht, weil du weißt, oder zumindest zu wissen glaubst, dass dich „da draussen“ alle paar Sekunden jemand schief anschauen oder sogar auslachen würde. Du weisst, dass du dich unwohl fühlen würdest, wenn du deinen eigenen Bedürfnisse nachgibst. Und DAS ist schwerstens gegen deine Natur und einfach abnormal. Nicht der grüne Hut.

Wenn du dieses Problem der inneren Unfreiheit nun also erkannt hast und auch ändern möchtest, stehst du vor dem Problem, dass dein Unterbewusstsein sehr viel mächtiger ist als dein Bewusstsein. Das eine ist der ununterbrochene Herrscher über deine Belange, das andere kommt nur ab und zu zum Vorschein, um das Ruder zu übernehmen.
Nun muss du dein Bewusstsein so gut in den Griff bekommen, dass es dein Unterbewusstsein in dieser Angelegenheit overruled und umprogrammieren kann.

Du gehst dann JUSTAMENT beim nächsten Mal mit deinem albernen Hut einkaufen. Und beim nächsten Mal wieder. Und beim übernächsten Mal gehst du damit sogar in die Kirche. Egal, wie unwohl du dich dabei anfangs noch fühlst.
Und so gewöhnst du nicht nur dein Umfeld an diesen verdammten scheissgrünen Hut, sondern vor allem dein Unterbewusstsein.
Irgendwann wird aus dieser umgekehrten Zwangshandlung dann eine Selbstverständlichkeit und du hast deine Freiheit erzwungen und kannst sie nun ausleben. Und du wirst dich dabei wohl fühlen.

Es dauert mitunter lange, bis du es wirklich fertig bringst, dein automatisiertes Handeln auf diese Weise umzuprogrammieren und zur Normalität zu machen, aber wenn du es schaffst, weißt du, dass du in diesem Fall der Meister über dein Leben bist.

In meiner konkreten Gegenwart wollen etliche Ängste meine Gedanken, Gefühle und Handlungen bestimmen. Es ist irrsinnig schwierig, aus diesem Programm auszubrechen. Vor allem in Krisenzeiten, wenn andere Dinge viel mehr Aufmerksamkeit einfordern, und doch ist dieser Punkt auch schon zu Beginn eines zweiten Lebens enorm wichtig für alles weitere. Angst ist nunmal der Hauptantrieb unser aller ersten Lebens. Erst ohne Ängste kann man neue Türen öffnen, neue Perspektiven einnehmen und neue Horizonte ausloten. Ohne sich dabei unwohl zu fühlen.

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3 Gedanken zu “Vom Zwang zur Selbstverständlichkeit – Ängste bewusst überwinden

  1. Ganz kann man – fürchte ich – Ängste eher selten abstellen.
    Man kann aber lernen, sich nicht von ihnen bestimmen zu lassen.
    Sie laufen dann quasi als Hintergrundrauschen mit, ohne dass man ihnen noch groß Aufmerksamkeit zukommen lassen muss.
    Meines Erachtens geht es in diesem Leben auch darum, wer der Boss ist – unsere Ängste, Befürchtungen oder sonstigen Emotionen und Gefühlen oder wir selbst.
    Die wirkliche Selbstbestimmung findet eher innen als außen statt.
    Bzw, nur das, was innen klar ist, kann auch klar nach außen vertreten werden.

    • genau das sehe ich eben nicht so ;-). dieses hintergrundrauschen IST ja meistens der boss. auch wenn man sich das dann anders einredet. und der letzte satz ist ja auch das, was im beitrag steht. es geht ja um das innere erkennen und überwinden. das geht aber nur mit umprogrammieren und hartem, ausdauerndem training. wie beim rocky mit den muskeln ist das, nur halt ohne muskeln.

  2. Es gibt immer verschiedene Methoden.
    Meine Erfahrung ist, dass sich die Muster oft von selbst ändern, wenn ich ehrlich mit mir bin und sie akzeptiere.
    Manchmal muss ich zunächst akzeptieren, dass ich sie nicht akzeptieren kann.
    Hast du schon mal was von Psychologischer Umkehrung gehört?
    http://members.aon.at/eft/PsychologischeUmkehr.html
    Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht – sogar ganz ohne Klopfen, weil ich das Klopfen nicht vertrage.
    Und der Boss ist man, wenn man MIT den Ängsten handeln kann – nicht, wenn man es sich nur einredet.
    Aber – wie gesagt – man muss wirklich ehrlich mit sich sein und solange man nicht der Boss ist, sich das eingestehen.
    (In Wirklichkeit ist man aber IMMER der Boss, habe ich festgestellt.)

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